„Chinesische Arbeiter nicht wie Tiere behandeln“

Wie Tiroler Unternehmen in China erfolgreich sein können, erkundete eine Delegation der WK Tirol.

Von Frank Tschoner

Peking, Suzhou – Wenn Chinesen Österreich hören, denken sie zuerst an Sissi-Filme, das Musical „Sound of Music“ sowie das Neujahrskonzert. Dass schon eine Vielzahl von österreichischen Unternehmen in China tätig sind, ist noch nicht ins breite öffentliche Bewusstsein gedrungen. „Dabei genießt Technologie aus Österreich in China einen guten Ruf“, erzählt der österreichische Handelsdelegierte in Peking Oskar Andesner. Der gebürtige Innsbrucker sieht vor allem für Nischenplayer aus Tirol gute Chancen am chinesischen Markt. Swarovski, Plansee, der Tiroler Hörimplantate-Spezialist Med-El, die auf Kühltechnik spezialisierte Firma Ast sowie Tyrolit machen das vor.

Der Schleifmittelhersteller startete 2002 seine Produktion in Suzhou etwa eine Fahrstunde von Shanghai entfernt. Auf einer Produktionsfläche von 5000 m² werken 200 Mitarbeiter. „50 Prozent der Produktion gehen auf den lokalen chinesischen Markt“, schildert der Chef des Werkes Patrick Vandervorst den mehr als 40 Tiroler Unternehmern der Delegation der Wirtschaftskammer Tirol. Als Vandervorst ans Ruder kam, war die Fluktuation unter den Arbeitern groß. Sie kommen aus ganz China. Er bekam das Problem in den Griff: „Ich verbringe 50 % meiner Zeit in der Produktion bei den Arbeitern. Sie wollen nicht als Tiere betrachtet werden.“ Außerdem könnten sie Überstunden machen, um etwas Wohlstand aufzubauen. Die Tagesarbeitszeit beträgt zwischen 15 und 16 Stunden.

In dem Werk stellt Tyrolit Lowtechprodukte her. Der Preisdruck in diesem Bereich ist groß. „In den nächsten vier bis fünf Jahren sehe ich keine Notwendigkeit, dass Teile der Hochtechnologieproduktion von der Zentrale in Schwaz nach China übersiedeln“, glaubt Vandervorst.

Seit dem Jahr 2002 sind laut dem Manager die Lohnkosten von 700 Yuan auf 1150 Yuan gestiegen. Darauf verweist auch Handelsdelegierter Andesner: „China ist nicht mehr die verlängerte Werkbank der Welt, da die Lohnkosten steigen. Aber es ist der schnellstwachsende Absatzmarkt.“ Um Schwierigkeiten vor Ort zu vermeiden, sollte man im Land produzieren, empfiehlt er den Tiroler Unternehmern.

Weiterleiten
Drucken
RSS-Feed abonnieren

Bookmark

Favoriten
Google
Live
Facebook
Twitter
mehr

Infobox

China in Zahlen

Mit einer Fläche von 9,6 Mio. km² ist China 114-mal größer als Österreich. 1,3 Mrd. Menschen leben in dem Staat, 167-mal mehr als in Österreich. Das Wirtschaftswachstum lag in den vergangenen 10 Jahren bei durchschnittlich 11 %.

Tiroler Unternehmen exportierten 2009 Waren im Wert von rund 270 Mio. Euro nach China.

Ihre Meinung zu diesem Thema

jetzt anmelden
Wetter
Wetter aktuell
HEUTE
Wetter aktuell
MORGEN
Wetter aktuell
ÜBERMORGEN
Fahrplaninfo
Partyfotos
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramablick
Alpintouren
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
AGB Kontakt Impressum